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Das Spendenjahr 2025: Die wichtigsten Trends im deutschen Spendenverhalten

Wie haben sich die Spendeneinnahmen im abgelaufenen Kalenderjahr entwickelt? Wofür haben die Deutschen vor allem gespendet? Welche Altersgruppe trägt wie viel zum Gesamtspendenvolumen bei? Mit seiner „Bilanz des Helfens“ gewährt der Deutsche Spendenrat alljährlich einen Einblick in das Spendenverhalten in Deutschland. Unser Magazin-Beitrag informiert Sie über die wichtigsten Spendentrends im Jahr 2025.

In jedem Frühjahr wird die Veröffentlichung der „Bilanz des Helfens“ des Deutschen Spendenrats¹, dem Dachverband gemeinnütziger, spendensammelnder Organisationen in Deutschland, insbesondere von seinen Mitgliedern aufmerksam verfolgt. Anders als in einzelnen Vorjahren zeigt die aktuelle Auswertung für 2025 jedoch eine deutliche Eintrübung: Die Spendeneinnahmen sind vor dem Hintergrund anhaltender wirtschaftlicher Unsicherheiten und geopolitischer Spannungen spürbar zurückgegangen. Mit 4,649 Milliarden Euro lagen die privaten Geldspenden um 9 Prozent unter dem Vorjahreswert – ein klarer Dämpfer für den Spendenmarkt.

Die wichtigsten Erkenntnisse und Trends des Spendenjahrs 2025

1. Spendenvolumen: Deutlicher Rückgang

2025 wurden in Deutschland 4,649 Milliarden Euro von Privatpersonen gespendet (ohne Nachlässe und Großspenden über 2.500 €).

Das sind 463 Millionen Euro weniger als im Vorjahr – ein Rückgang von 9 Prozent.

Nach den außergewöhnlich starken Pandemie-Jahren stabilisiert sich der Markt nicht, sondern verliert weiter an Dynamik. Der Rückgang ist kein kurzfristiger Ausreißer, sondern Teil einer strukturellen Entwicklung.

2. Weniger Menschen spenden

Die Zahl der Spenderinnen und Spender sank auf 15,826 Millionen Menschen. Das entspricht einer Spenderreichweite von 24 Prozent – rund 850.000 Personen weniger als 2024.

Seit 2019 ist die Zahl der Geldspender sogar um rund 3,7 Millionen Menschen zurückgegangen.

Man kann sagen: Nicht die Spendenhöhe ist das Hauptproblem – sondern die schrumpfende Basis.

3. Durchschnittsspende steigt auf Rekordwert

Mit 46 Euro pro Spendenakt erreicht die Durchschnittsspende einen Höchststand. Gleichzeitig sank die Spendenhäufigkeit auf 6,4 Spenden pro Person und Jahr.

Das Muster 2025:

  • Weniger Spender
  • Weniger Spendenakte
  • Höhere Einzelbeträge

Die steigenden Beträge kompensieren den Rückgang jedoch nicht.

4. Der Dezember entscheidet

Der Dezember 2025 brachte 1,124 Milliarden Euro ein – 15 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Damit entfielen 24 Prozent des gesamten Jahresaufkommens auf einen einzigen Monat.

Das bedeutet, dass Organisationen stärker denn je vom „Jahresendgeschäft“ abhängig sind.

5. Verunsicherung trotz mehrheitlich stabiler Einkommen

Nominale Löhne stiegen 2025 um rund 3,5 Prozent, die Inflation lag bei etwa 2,3 Prozent. Gleichzeitig erreichte die Sparquote im Dezember mit 18,7 Prozent einen Rekordwert.

Viele Haushalte verfügen über stabile Einkommen – agieren jedoch vorsichtiger. Migration, wirtschaftliche Sorgen und geopolitische Unsicherheiten prägen die öffentliche Wahrnehmung.

Wofür wird von wem wie viel gespendet?

1. Not- und Katastrophenhilfe verliert, bleibt aber relevant

Für Not- und Katastrophenhilfe wurden 658 Millionen Euro gespendet – ein Minus von 9 Prozent.

Trotz des Rückgangs liegt das Volumen weiterhin über dem Niveau von 2019. Große akute Krisenereignisse wie in früheren Jahren blieben 2025 jedoch aus.

2. Verschiebungen zwischen humanitären und nicht-humanitären Zwecken

Humanitäre Hilfen verzeichnen stärkere Rückgänge. Nicht-humanitäre Bereiche entwickeln sich stabiler.

Auffällig:

  • Tierschutz wächst weiter und macht inzwischen rund ein Drittel der nicht-humanitären Spenden aus.
  • Natur-, Umwelt- und Klimaschutz legen zu.
  • „Andere soziale Zwecke“ (z.B. Armut, Obdachlosigkeit, Seniorenhilfe) gewinnen an Marktanteil.

Zu beobachten ist ein Trend: Spenden werden stärker thematisch differenziert und sind weniger “krisengetrieben”.

3. Lokale Projekte bleiben stabil

35 Prozent der Spenden fließen in lokale Projekte – ein leichter Anstieg.

Durchschnittswerte:

  • 50 Euro pro Spende lokal
  • 53 Euro international

Lokale Nähe wirkt stabilisierend. In unsicheren Zeiten scheint Vertrauen im direkten Umfeld wichtiger zu werden.

4. Altersstruktur im Wandel

Die Generation 60+ trägt weiterhin 58 Prozent und damit den „Löwenanteil“ des Spendenvolumens bei. Gleichzeitig verzeichnet diese Gruppe ein Minus von 12 Prozent.

Besonders deutlich ist der Rückgang bei den über 70-Jährigen (–21 Prozent).

Zuwächse zeigen:

  • 40–49-Jährige (+13 Prozent)
  • 60–69-Jährige (+9 Prozent)

Hinzu kommt ein demografischer Effekt: Die Zahl der über 74-Jährigen ist innerhalb von zwei Jahren um rund eine Million Personen gesunken.

Als langfristige Herausforderung zeichnet sich ab: Der „Spendenmarkt altert“ – und schrumpft zugleich.

5. Regionale Entwicklung

Im Vergleich zu 2019 zeigen sich regionale Unterschiede:

  • Nordrhein-Westfalen und Bayern mit Zuwächsen
  • Baden-Württemberg sowie die neuen Bundesländer inkl. Berlin rückläufig

Deutschland insgesamt liegt 2025 rund 10 Prozent unter dem Niveau von 2019.

Was ist die „Bilanz des Helfens“ und welche Methodik liegt ihr zugrunde?

Um die Ergebnisse in ihrer Aussagekraft einschätzen zu können, ist es wichtig zu verstehen, wie diese zustande kommen.

Die vom Deutschen Spendenrat in Auftrag gegebenen Erhebungen, deren Ergebnisse regelmäßig in der „Bilanz des Helfens“ in Auszügen präsentiert werden, werden vom Marktforschungsunternehmen “YouGov CP Germany GmbH”, ehemals "Consumer Panel Germany GfK GmbH", durchgeführt. Sie stellen ein Teilergebnis der Studie “YouGov Charity Individual” (zuvor “GfK Charity Panels”), die auf kontinuierlichen schriftlichen Erhebungen bei einer repräsentativen Stichprobe von 10.000 Panelteilnehmern basiert, dar. Als Spende zählen die von deutschen Privatpersonen freiwillig getätigten Geldspenden an gemeinnützige Organisationen, Hilfs- sowie Wohltätigkeitsorganisationen und Kirchen. Nicht enthalten sind Erbschaften und Unternehmensspenden, Spenden an politische Parteien und Organisationen und gerichtlich veranlasste Geldzuwendungen, Stiftungsneugründungen und Großspenden über 2.500 Euro.

Vor diesem Hintergrund ist zu betonen, dass die jährlichen tatsächlichen Spenden bzw. finanziellen Zuwendungen an gemeinnützige Organisationen noch weit höher sind als es die Befragung nahe legt.2

Fazit: Ein Markt im strukturellen Umbruch

2025 ist kein Ausnahmejahr, sondern Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels: Die Spenderbasis schrumpft weiter, die Durchschnittsspendenbeträge steigen, die Abhängigkeit vom Dezember wächst, innerhalb der Altersgruppen der Spender kommt es zu Verschiebungen, lokale und themenspezifische Bindung gewinnt an Bedeutung.

Für Organisationen bedeutet das: Die Sicherung bestehender Spender reicht nicht mehr aus. Entscheidend wird sein, zeitgemäße Fundraising-Strategien zu entwerfen oder anzupassen und neue Zielgruppen systematisch zu aktivieren und langfristig zu binden.

Nehmen Sie gern mit uns Kontakt auf, wenn Sie Rückfragen oder Anmerkungen zu diesem Beitrag haben oder unsere Unterstützung bei der Entwicklung einer Fundraising-Strategie benötigen.

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Wesentliche Quellen:

Deutscher Spendenrat e. V.: „Bilanz des Helfens 2025“; abrufbar unter: www.spendenrat.de/bilanz-des-helfens-2025

1 nähere Informationen zum „Deutscher Spendenrat e. V.“ finden Sie unter: www.spendenrat.de

Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das auf eine Erhebung zurückgreift, die Spenden bis 30.000 Euro berücksichtigt, hat das Spendenvolumen des Jahres 2024 – für diesen Zeitraum hatte der Deutsche Spendenrat über die “Bilanz des Helfens” die Summe von rund 5 Mrd. Euro kommuniziert –  gar mit 12,5 Milliarden Euro beziffert. Die SOEP-Daten berücksichtigen im Unterschied zur “Bilanz des Helfens” hingegen Spenden bis zu einer Jahressumme von 30.000 Euro; nähere Informationen sind einer Pressemitteilung des DZI aus April 2025 zu entnehmen: www.dzi.de

Die jährliche Lohn- und Einkommenssteuerstatistik, die mit größerer zeitlicher Verzögerung veröffentlicht wird, nennt hinsichtlich der geleisteten privaten, steuerlich veranlagten Spenden zur Förderung steuerbegünstigter Zwecke die Summe von etwa 6,5 Milliarden Euro für das Jahr 2019. In der „Bilanz des Helfens“ war für diesen Zeitraum “nur“ die Summe von etwa 5,1 Milliarden Euro ausgewiesen worden. In der Sonderauswertung „Geleistete Spenden, geltend gemachte und abzugsfähige Zuwendungen 2019“ finden Sie ausführliche Informationen für die Jahre 2012 bis 2019. Abrufbar unter: www.destatis.de

Hinzu kommen Spenden von Unternehmen, die vor einigen Jahren auf 9,5 Mrd. Euro geschätzt wurden (vgl. Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft/ Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): CC-Survey 2018: Unternehmensengagement und Corporate Citizenship in Deutschland); abrufbar unter: https://www.bertelsmann-stiftung.de

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