Neue „Denkanstöße für die Finanzierung der Zivilgesellschaft“: Interessante Impulse für gemeinnützige Organisationen
Die Finanzierung gemeinnütziger Organisationen in Deutschland steht unter Druck. Öffentliche Mittel werden knapper und gesellschaftliche Debatten über die Rolle der Zivilgesellschaft schärfer. Vor diesem Hintergrund hat die Maecenata Stiftung die Publikation „Denkanstöße zur Finanzierung der Zivilgesellschaft“ veröffentlicht. In unserem Magazin-Beitrag geben wir einen Einblick in dieses Gemeinschaftswerk und greifen interessante Impulse auf.
Die aus Fundraising, Stiftungswesen und Zivilgesellschaft kommenden Autorinnen und Autoren der Publikation „Denkanstöße zur Finanzierung der Zivilgesellschaft“1 haben ein zentrales Anliegen: nicht über Kürzungen klagen, sondern den Blick nach vorne richten. Oder, wie es gleich zu Beginn heißt:
„Ausdrücklich wollen wir nicht über sinkende staatliche Förderungen lamentieren, sondern sie als Chance für mehr Unabhängigkeit, Dynamik, Innovation und Wirkung verstehen.“
Was bedeutet das konkret für gemeinnützige Organisationen? Ein Überblick über die wichtigsten Gedanken und Praxisimpulse der Publikation.
Worum geht es in der Publikation?
Die Publikation bündelt Erfahrungen und Perspektiven aus der Praxis – von Fundraiserinnen und Fundraisern, Beraterinnen und Beratern, Stiftungsvertretern sowie Akteuren der Zivilgesellschaft. Sie versteht sich nicht als starre Anleitung oder fertige Lösung, sondern als fundierte Ideensammlung aus der Community für die Community.
Ziel ist es, Orientierung zu geben und konkrete, erprobte Ansätze sichtbar zu machen. Entsprechend heißt es:
„In beiden Teilen finden sich Verbesserungsvorschläge, erprobte Ansätze und innovative Ideen (mit proof-of-concept), die sowohl die Finanzlage zivilgesellschaftlicher Organisationen stärken als auch das Verhältnis von Fördernden und Geförderten positiv weiterentwickeln können.“
Strukturiert ist der Band in zwei Teile:
- Teil I: Denkanstöße für zivilgesellschaftliche Förderempfangende, die sich eine solide Basis für ihre Arbeit wünschen
- Teil II: Ideen für ein vertrauensvolles Umfeld einer starken Zivilgesellschaft
Der rote Faden: Eine starke Zivilgesellschaft braucht finanzielle Vielfalt, strategische Klarheit – und Vertrauen.
Unabhängiger werden: Finanzierung breiter aufstellen
Im internationalen Vergleich sind zivilgesellschaftliche Organisationen in Deutschland stark von staatlicher Förderung abhängig. Bei einer durchschnittlichen Organisation stammen rund elf Prozent des Jahresbudgets aus öffentlichen Mitteln. Was lange als stabil galt, wird zunehmend zum Risiko.
Die Publikation plädiert deshalb für Mischfinanzierungen, die private Spenden, Stiftungsmittel, Kooperationen und eigene Einnahmen stärker einbeziehen. Vorgestellt werden unter anderem:
- Spenden- und Stiftungsfonds, die Mittel bündeln und Verfahren vereinfachen
- Matching Funds, bei denen private Spenden zusätzlich aufgestockt werden
- Giving Circles, die gemeinschaftliches Geben fördern
- der wirtschaftliche Geschäftsbetrieb als bislang oft ungenutzte Einnahmequelle
Der zentrale Praxisimpuls: Wer seine Finanzierung diversifiziert, gewinnt nicht nur Stabilität, sondern auch mehr Unabhängigkeit und Gestaltungsspielraum.
Organisationen strategischer denken: Governance neu betrachten
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Fragen, die im Alltag vieler Organisationen zu kurz kommen: Muss jede Organisation dauerhaft bestehen? Muss jede alles selbst leisten?
Die Autorinnen und Autoren sprechen sich für mehr Mut zu strukturellen Veränderungen aus – etwa bei Fusionen im gemeinnützigen Sektor: „Eine Fusion ist eine strategische Option, um Kräfte, Ideen und Ansätze zu bündeln und vor allem mehr Wirkung zu erzielen!“
Ebenso offen wird das Thema Sunsetting behandelt – also das bewusste, verantwortungsvolle Beenden von Projekten oder Organisationen, wenn andere Wege ausgeschöpft sind: „Sunsetting meint ein verantwortungsvolles, würdevolles und mit allen Stakeholdern abgestimmtes Beenden.“
Ergänzt wird dies durch praktische Ansätze wie Fiscal Hosting – also die Nutzung der rechtlichen und administrativen Infrastruktur einer bestehenden gemeinnützigen Organisation, die Buchhaltung, Vertragswesen und Berichtspflichten übernimmt – oder durch externe kaufmännische Unterstützung. Die Botschaft: Wirkung entsteht nicht durch formale Selbstständigkeit, sondern durch klug gewählte Strukturen.
Fundraising neu denken: Beziehung statt Vertrieb
Ein weiteres Kernthema ist der Wandel im Fundraising. Der Anteil der Spender in der Bevölkerung sinkt seit Jahren, gleichzeitig wächst das Misstrauen gegenüber zivilgesellschaftlichen Organisationen Die Publikation bringt es klar auf den Punkt: „Der Akt des Spendens setzt Vertrauen voraus.“
Fundraising wird hier nicht als Vertrieb verstanden, sondern als Beziehungsarbeit. Das hat Konsequenzen:
- Verwaltungskosten sind kein Makel, sondern Voraussetzung für Professionalität
- die Bindung bestehender Spender wird wichtiger als reine Neugewinnung
- Fundraising sollte stärker in die Organisationsentwicklung eingebunden sein
Pointiert formuliert: „Fundraising ist kein Vertrieb, Spendende keine Konsumierenden.“
Auch neue Wege – etwa die Zusammenarbeit mit Podcastern und Influencern – werden als Chance gesehen, insbesondere jüngere Zielgruppen glaubwürdig zu erreichen.
Politische Hebel: Rahmenbedingungen weiterdenken
Neben organisatorischen Fragen greift die Publikation auch politische Reformideen auf, die in anderen Ländern bereits umgesetzt wurden und den Sektor langfristig stärken könnten. Dazu zählen unter anderem:
- ein Prozentsteuermechanismus, bei dem Steuerzahler einen Teil ihrer Einkommensteuer direkt gemeinnützigen Organisationen zuweisen
- eine Ausschüttungspflicht für Stiftungen nach US-amerikanischem Vorbild
- die Nutzung nachrichtenloser Vermögen2 für soziale Innovationsfonds
Diese Vorschläge sind bewusst als Denkanstöße formuliert – mit dem Ziel, Debatten anzustoßen und neue Finanzierungswege zu erschließen.
Vertrauen als Schlüsselressource
Teil II der Publikation macht deutlich: Viele Finanzierungsprobleme sind letztlich Vertrauensprobleme. Vertrauen entsteht durch Transparenz, realistische Erwartungen und partnerschaftliche Förderbeziehungen.
Beispiele wie die Initiative Transparente Zivilgesellschaft, das DZI-Spenden-Siegel oder vertrauensbasierte Förderansätze zeigen, wie Vertrauen systematisch gestärkt werden kann. Die zentrale Erkenntnis: Wirkung entsteht dort, wo Verantwortung geteilt wird.
Fazit: Was Organisationen jetzt mitnehmen können
Die „Denkanstöße zur Finanzierung der Zivilgesellschaft“ liefern keine einfachen Antworten und kein abgeschlossenes Konzept – aber viele kluge, interessante, überlegenswerte Impulse. Für gemeinnützige Organisationen lassen sich daraus zentrale Handlungsfelder ableiten:
- Finanzierung breiter und strategischer denken
- Strukturen und Existenzberechtigung regelmäßig hinterfragen
- Fundraising als langfristige Beziehungsarbeit verstehen
- Vertrauen aktiv aufbauen – intern wie extern
Dem abschließenden Wunsch der Autorinnen und Autoren nach einer starken, unabhängigen und vertrauenswürdigen Zivilgesellschaft schließen wir uns ausdrücklich an.
Nehmen Sie gern mit uns Kontakt auf, wenn Sie Rückfragen oder Anmerkungen zu diesem Beitrag haben.
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Fußnoten:
1 Gessner, Ansgar/ Hoelscher, Philipp (Hrsg.): Denkanstöße zur Finanzierung der Zivilgesellschaft: Chancen für mehr Unabhängigkeit, Dynamik, Innovation und Wirkung; kostenfrei abrufbar unter: https://www.maecenata.eu
2 Nachrichtenlose Vermögen sind Vermögenswerte, bei denen der Kontakt zu den rechtmäßigen Eigentümern oder Erben verloren gegangen ist und sich über einen längeren Zeitraum niemand meldet, der Ansprüche geltend macht.
Anmerkung: Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung (ChatGPT) erstellt.
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